Empathische Kommunikation für Führungskräfte in der Pflege

Feedback geben – Wie sag ich’s nur

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Wie sag ich’s nur?

Du sitzt beim Abendessen. Dein Mann hat gekocht und fragt Dich, wie Du sein Essen findest.

Oder

Ein neuer Kollege Deines Mannes hat Euch eingeladen. Er hat selbst gekocht und fragt, wie das Essen ist.

Eigentlich einfach, da zu antworten. Oder etwa nicht?

Beide wollen ein Feedback. Leider war das Essen ziemlich fade.

„Danke, hat gut geschmeckt“, wäre natürlich die Standardantwort. Aber das wäre nicht echt und man würde es Dir wahrscheinlich anmerken. Du musst also überlegen, was Du jetzt wie sagst.

Du könntest die 3W-Regel einsetzen und Deine Wahrnehmung schildern, die Wirkung, die das Essen auf Dich hatte und das mit einem Wunsch z.B. nach mehr Salz oder Gewürzen verknüpfen.

Wie leicht oder schwer fällt es Dir, den beiden unterschiedlichen Personen zu antworten? Deinen Mann kennst Du sehr gut und weißt, wie Du ihm trotz Kritik an seinem Essen eine wertschätzende Antwort geben kannst. Aber den neuen Kollegen kannst Du noch nicht einschätzen. Du kennst ihn nicht.

FEEDBACK IST NUR MIT EMPATHIE UND MENSCHENKENNTNIS WIRKSAM!

Ich persönlich setze deshalb im Feedback eine etwas andere Technik ein. Ich ergänze die 3W-Regel durch ein viertes “W“, die Wertschätzung.

Starte beim nächsten Feedback mal damit, dass Du Dir überlegst, was Du am Anderen besonders wertschätzt. In der konkreten Situation mit dem Kollegen beim Essen könntest Du sehen, dass er sich sehr viel Mühe gegeben hat, alles geschmackvoll vorzubereiten und anzurichten. Dass die Zutaten frisch sind und viel Arbeit im Essen steckt. Schildere also nicht einfach Deine Wahrnehmung, sondern mach eine wertschätzende Wahrnehmung daraus. Wenn Du ihm dann mitteilst, dass Dir etwas Geschmack am Essen gefehlt hat und Du Dir etwas mehr Salz und Gewürze gewünscht hättest, wird er das leichter annehmen können.

„Ich habe bemerkt, dass Du richtig viel Arbeit in Dein Essen gesteckt hast und es mit viel Liebe, frischen Zutaten zubereitet und geschmackvoll dekoriert hast. Das gibt mir das Gefühl, dass es Dir wichtig ist, wie es mir schmeckt. Für mich hätte es jedoch noch etwas intensiver gewürzt sein können. Reichst Du mir deshalb mal bitte das Salz rüber?“

Er wird Dein Feedback als ehrlich erkennen, aber nicht als verurteilende Kritik wahrnehmen.

Richtig angewendet ist Feedback also ein extrem sinnvolles Instrument. Auch in der Mitarbeiter*innenführung. Aber die Feedback-Technik funktioniert nur, wenn sie nicht rein mechanisch ausgeübt wird, nicht einfach nur die Regeln abgearbeitet werden.

Frage Dich zuerst, warum Du ein Feedback geben willst? Welches Ziel Du damit verfolgst? Meistens geht es beim Feedback darum, dem Gegenüber eine Rückmeldung über sein Verhalten, seine Arbeit oder Ähnliches zugeben. Das kann geplant sein, wie z.B. beim Mitarbeiter*innengespräch oder situativ bedingt. Ziele des Feedbacks sind in der Regel entweder der Wunsch nach Veränderung oder die Bestätigung eines positiven Verhaltens. In der Pflege, und das weißt Du als Führungskraft selbst, können diese Gespräche ganz schön schwierig sein.

Menschen reagieren oft nicht so auf Feedback wie wir uns das wünschen. Denn wir geben es meistens aus unserer persönlichen Perspektive heraus und betrachten diese als „wahr“. Resultat: Dein Gegenüber denkt, dass Du *ihr Verhalten bewertest. Das wird als negative Kritik empfunden und löst Abwehr in Form von Rückzug oder Aggression aus. Mit einer wertschätzenden Feedbackstrategie als Führungskraft in der Pflege hast Du dagegen wirklich eine gute Chance mit den Mitarbeiter*innen eine gemeinsame Lösung zu finden.

Überlege Dir also, wer Dir gegenüber sitzt, welche Bedürfnisse *sie hat, wie *sie tickt. Erst wenn Du in der Lage bist, nicht nur Deine eigenen Empfindungen vor, während und nach dem Gespräch wahrzunehmen, sondern auch die Deiner Gesprächspartner*in kennst, wenn Du in der Lage bist, Deine Perspektive zu wechseln, dann kannst Du Feedback wirklich erfolgreich geben.

WENN DU DAS NÄCHSTE MAL EIN FEEDBACK GIBST, HOL DEIN GEGENÜBER AB!

Hier gibt’s die 4W-Regeln als Poster: LINK PDF

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